Professor Dr. Erwin Baelz
Entstehung des Judo
Es war der deutsche Professor Dr. Erwin Baelz, Dozent an der Kaiserlichen Universität zu Tokio, der um 1880 den entscheidenden Anstoß zur Wiederaufnahme der alten japanischen Kunst der Selbstverteidigung ohne Waffen gab. Er machte den jungen Studenten Jigorô Kanô auf das alte Jiu Jitsu aufmerksam und regte ihn dazu an, diese alte Sportart auszuarbeiten und sie für die gesamte japanische Jugend "salonfähig" zu machen. Jigorô Kanô wurde zusammen mit Erwin von Baelz der eifrigste Verfechter für diese Sportart. Aus allen Gebieten der damals ausgeübten Verteidigungsarten, den Schlag-, Hieb-, Stoß-, Wurf- und Hebeltechniken, beschränkte sich Jigorô Kanô schließlich darauf, Grundwürfe, Halte-, Hebel- und Würgegriffe zu einer sportlichen Form, der Kampfsportart Judo, zusammenzuführen. Er stellte so das von ihm gegründete Judo auf eine höhere Ebene als die alten Samuraikünste. Die Kunst der Techniken (Jiu) wich so einer Lehre (Do), auf deren Grundsätze der spätere Professor Kanô viel Wert legte nach der Überzeugung, in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist. Später erkannte die japanische Regierung dieses System mit 40 Grundwürfen offiziell an. Judo erreichte uns über Frankreich und England, zu einer Zeit, als in Europa noch die alte Form des Jiu-Jitsu gelehrt wurde. Die höchste Ausbildungsstätte des Judo, der Kodokan in Tokio, ist heute ein Mekka aller interessierten Judokas, die sich dem sportlichen Wettkampf- Judo widmen.
Der Kodokan
Jigorô Kanô, der Begründer des heutigen Judo-Kampfsports, gründete 1880 seine eigene Schule, die er Kodokan nannte. Dies heißt soviel wie "Der Weg des Kano", also des Begründers der Judo-Kampftechnik. Anläßlich des 70. Jahrestages der Kodokan-Gründung erhielt im März 1958 der Kodokan in Tokio ein neues, siebenstöckiges Haus, denn das alte konnte den ständig wachsenden Anforderungen nicht mehr genügen. Die Kosten des Gebäudes, das nach den neuesten bautechnischen Erkenntnissen gebaut und nach modernen sportpädagogischen Erfahrungen eingerichtet ist, beliefen sich auf 250 000 engl. Pfund. Das Haus umfaßt ein Hauptdojo (Übungsraum) mit 500 Matten, drei kleinere Dojos mit 108 Matten und drei weitere mit 54 Matten. Neben einem Speiseraum, einem Konferenzsaal, enthält der Kodokan im sechsten und siebten Stockwerk eine Unterkunftsmöglichkeit für Studenten und Sportler, die dort Judo lernen und üben. Heute ist der Kodokan, wo auch der Sitz der Internationalen Judo-föderation ist, eine Pilgerstätte der Judokas aus aller Welt.
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